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Inventur

Inventur am 6. Februar 2022 – Jägermeister steigt bei Teremana Tequila ein

Hereinspaziert zur ersten Inventur im Februar! Apropos hereinspazieren oder eher herausspazieren: Mal abseits der Lockdowns, denen die Gastronomie bislang ausgesetzt war (und teils ja noch immer ist), stellt die Sperrstunde ganz klar das sensibelste Thema für Bars im Verlauf der Corona-Krise dar. Obschon ihre positive Wirkung auf das Pandemiegeschehen noch immer nicht nachweisbar ist, bleibt sie ein Instrument, das von der Politik bemüht wird, um die Covid-19-Infektionszahlen einzudämmen.

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Für Wirte ergibt sich daraus ein folgenschweres Problem. Denn während sich die Behörden teils damit rühmen, statt einer kompletten Schließung wenigstens einen teilweisen Betrieb von Gaststätten zu ermöglichen, sieht die Realität für die Gastronomie anders aus. Ein rentabler Betrieb mit einer Sperrstunde ist nahezu utopisch, erst recht, wenn gleichzeitig noch die Zahl der Plätze im Lokal verringert ist. Aufgrund der fehlenden Schließungsanordnung ist jedoch die Möglichkeit, die Verluste mit Kurzarbeitergeld oder Überbrückungshilfen abzufedern, wesentlich schlechter als im Falle eines Lockdowns. Die Sperrstunde als klassischer Bärendienst? Für unsere Branche ein hoch emotionales Thema, wie auch der jüngste Beitrag unseres Online-Chefredakteurs Stefan Adrian zeigt. Er hat mit drei Barbetreiber:innen aus Bayern gesprochen, wo die Sperrstunde im Herbst 2021 als erstes wieder eingeführt wurde. Um 22 Uhr ist dort Zapfenstreich. In teils bewegenden O-Tönen geben Linda Le, Thomas Schackmann und Philipp Fröhlich einen Einblick in die Auswirkungen der Sperrstunde auf ihre Bars.

Schauen wir unterdessen, welche gastronomischen und hochprozentigen News es diese Woche sonst noch gegeben hat.

Heaven Hill übernimmt F.E.W. Spirits

Eine prominente Firmenübernahme wurde am Mittwoch bekanntgegeben. Wie u.a. der Branchendienst The Spirits Business mitteilte, hat der US-Whiskeygigant Heaven Hill den Spirituosenhersteller Samson & Surrey für eine nicht genannte Summe akquiriert. Neben anderen Marken wie Bluecoat Gin und Tequila Ocho dürfte sich der Deal primär anhand der Marke F.E.W. Spirits entwickelt haben: Heaven Hill holt sich damit eine der wichtigsten und einflussreichsten Marken der US-Craft-Szene ins Portfolio.

F.E.W. Spirits aus Chicago wurde vor rund zehn Jahren vom ehemaligen Rechtsanwalt Paul Hletko gegründet und war eines der ersten Flaggschiffe der neuen nordamerikanischen Spirituosenszene. Bis heute genießen insbesondere die Whiskeys von F.E.W. ein sehr hohes Renommee. Heaven Hill, der wichtigste familiengeführte Hersteller von American Whiskey, verfügt über die zweitgrößten Bourbon-Lagerbestände und stellt u.a. die Marken Elijah Craig, Evan Williams und Rittenhouse Rye her. Ob die Produkte von F.E.W. demnächst auch ins Portfolio von Heaven Hills deutschem Importeur Borco Einzug halten werden, konnte die Redaktion bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht in Erfahrung bringen.

Auch für Bars interessant: Helles wird immer populärer

Die Entwicklung ist bereits seit einigen Jahren zu beobachten: Der Bierstil „Bayerisch Hell“ gewinnt in Deutschland zunehmend an Popularität, das bestätigt nun auch eine abermals aktualisierte Meldung in der Frankfurter Allgemeinen. Gemäß des Berichts ist zwar nach wie vor das Pils unangefochten auf Platz 1 der beliebtesten Bierstile, das mildere Helle zementiert aber seinen zweiten Rang in Sachen Verkaufserfolg: 8,8 % beträgt inzwischen sein Anteil am deutschen Biermarkt, wie der Marktforschungsdienst Nielsen angibt.

Der Unterschied zwischen Pils und Hellem liegt vor allem in der Süffigkeit: Während klassische Pilsener traditionell etwas stärker gehopft und hochvergoren sind, kommt die bayerische Variante des hellen Lagerbiers sehr mild, getreidig und teils mit leichter Restsüße in die Flasche oder das Fass. Die bekanntesten Marken sind z.B. Augustiner, Tegernseer, Benediktiner oder Chiemseer Hell.

Interessant dürfte diese Nachricht auch für zahlreiche Bars sein, die statt eines Pils lieber ein leichteres Bier anbieten wollen. Denn durch die Popularität der Sorte steigt auch die Verfügbarkeit von Hellem. Und mal ehrlich: ein leichtes Helles eignet sich doch eigentlich auch am allerbesten als „Zwischenbier“ in einer Bar.

Jägermeister steigt bei Dwayne Johnsons Teremana Tequila ein

Und noch eine weitere Meldung aus der großen, weiten Corporate-Welt. Wie diese Woche bekannt wurde, ist die Mast-Jägermeister SE, die Mutterfirma hinter Jägermeister, mit einer nicht näher bezifferten Beteiligung in Dwayne „The Rock“ Johnsons Tequilamarke „Teremana“ eingestiegen.

Teremana wurde Anfang 2020 von Johnsons und einem Partner ins Leben gerufen und hat sich in den ersten beiden Jahren explosiv am Markt etabliert. Bereits seit März 2020 hatte sich Jägermeister als Vertriebspartner weltweit um die Distribution gekümmert, der konkrete Einstieg ins Unternehmen ist für die Wolfenbütteler also nur ein konsequenter nächster Schritt. Damit bestätigt Jägermeister außerdem seine Strategie, ein Portfolio jenseits der eigenen Marke aufzubauen: 2018 hatte man mit einer Beteiligung an Gin Sul erstmals in eine externe Marke investiert, die Mitte dieses Jahres in eine Komplettübernahme münden wird.

Nehmen Frauen und Männer Geschmäcker eben doch verschieden wahr?

Zugegeben: Die klassischen Mann-Frau-Vergleiche waren schon immer dünnes Eis. Im Zuge des gestiegenen Bewusstseins für Themen rund um Genderfragen werden sie erst recht immer schwieriger zu legitimieren. Man muss allerdings andererseits auch immer schauen, wer solche Vergleiche absendet. Im Fall von Charles Spence darf man getrost hinhören.

Der Professor für sensorische Psychologie an der Oxford University zählt weltweit zu den bekanntesten Fachleuten, wenn es um die Erforschung von geschmacklicher Wahrnehmung geht. In einem Beitrag für das Class Magazinespricht er einen wichtigen Aspekt für die Bar an: So sehr das Thema Gleichberechtigung ins Zentrum aller gesellschaftlichen Debatten gehöre, so sehr dürfe man beim Thema Geschmackssinn bestimmte anatomische und physiologische Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht vernachlässigen. So seien z.B. Frauen im Durchschnitt häufiger sogenannte Supertaster, was wiederum auch in anderen geschmacklichen Präferenzen münde. Lesen Sie unbedingt mal rein!

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Credits

Foto: Everett Collection - shutterstock.com

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