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Inventur

Inventur am 5. Juli 2020 – Plantation Rum kündigt Namensänderung an & Spirituosenhersteller versus Hate Speech

Willkommen zur ersten Inventur der zweiten Jahreshälfte! Ist Ihnen vielleicht heiß? Besonders der Berliner Sommer schlägt ja mit seiner suppigen Hitze manchmal kräftig aufs Gemüt. Passend zu unserem Beitrag von Mitte Juni bietet sich da bald die Gelegenheit zur Abkühlung, denn das Hotel Amo lädt gemeinsam mit Schweppes und Eggers & Franke am 19. Juli zur „First Finest Slushy Competition“. Abgesehen davon, dass wir eher „Slushee“ schreiben, klingt das doch ganz fein: Einige der angesehensten Berliner Bars stellen sich der Challenge, den besten Frozen-Drink des Sommers auszuschenken – das alles natürlich mit beschränkter Personenzahl und allen gebotenen Sicherheitsregeln. Los geht’s um 15 Uhr im Innenhof des Hotels. Sehen wir uns dort?

Und da wir uns noch ein wenig gedulden müssen, tun wir, was wir jeden Sonntag tun: Wir schauen uns die News und Themen der letzten Woche an.

Getränkehersteller engagieren sich gegen Hate Speech

Die seit Jahren schwelende Debatte um sogenannte „Hate Speech“ in den sozialen Medien hat im Zuge der Corona-Pandemie, damit verbundenen Verschwörungstheorien sowie der neu aufflammenden Black Lives Matter-Bewegung völlig neue Dimensionen erreicht. Doch noch immer winden sich die Betreiber von Facebook & Co. aus der Verantwortung, Hetze und Hasskommentaren entschieden entgegenzutreten.

Neu ist, dass sich Unternehmen nun aktiv an der Debatte beteiligen, indem sie ihre Werbe-Budgets auf Social Media vorerst einfrieren – um so die Seitenbetreiber unter Druck zu setzen, endlich aktiv zu werden. Auch aus der Getränkeindustrie kommen die ersten Firmen, die zu dieser Bewegung beitragen: So haben z.B. die beiden Konzerne Beam-Suntory und Brown-Forman ihre Werbeaktivitäten vorerst gestoppt, Pernod-Ricard wiederum kündigt die Entwicklung und Unterstützung einer App an, mit der gegen Hate Speech vorgegangen werden kann. Und auch aus Deutschland vermeldet etwa Fritz-Kola, bis Ende Juli keine Facebook- und Instagram-Werbung mehr zu spielen. Gut finden das: wir.

Plantation Rum: Namensänderung von Ferrand angekündigt

Die Entwicklungen um das erwähnte Thema #BlackLivesMatter und Gleichberechtigung sowie einen neuen Umgang mit der Kolonialgeschichte machen auch vor der Spirituosenindustrie nicht halt. So kündigte Anfang dieser Woche die französische Maison Ferrand an, demnächst ihre Rum-Marke „Plantation“ umbenennen zu wollen.

Man wolle sich mit diesem Schritt aktiv an der Gestaltung einer neuen Kultur von Gleichberechtigung und Rassismus-Bekämpfung beteiligen, so z.B. Ferrand-Besitzer Alexandre Gabriel laut Drinks International. Die Marke Plantation hat sich unter Kennern weltweit einen herausragenden Ruf erarbeitet, gleichsam ist der Name (dt. „Plantage“) aber auch ein direkter Verweis auf die traurige Sklaverei-Historie in der Karibik und Kontinentalamerika. Insbesondere Barbados, wo die eigene Destillerie von Plantation steht, galt unter dem Namen „Zuckerrohr-Insel“ lange als einer der schlimmen Hotspots der Versklavung. Wie der neue Markenname von Plantation nach der Namensänderung lauten soll, wurde indes noch nicht bekanntgegeben.

Schnaps-Bücher für den Corona-Sommer

Für viele Menschen wird der Sommer-Urlaub dieses Jahr anders aussehen als sonst: Weniger Geld, weniger Flüge, gesperrte Grenzen und zahlreichere andere Einschränkungen. Das gilt natürlich insbesondere für Barleute, deren Haushaltskasse derzeit oft sehr mager ausgestattet sein wird.

Bei zahlreichen Gastronomen dürfte also eher der klassische „Balkonien“-Urlaub die Destination dieses Jahres sein. Da helfen die Kollegen vom Branchendienst The Spirits Business aus, die mit einer wirklich, wirklich schönen Liste von zehn Büchern rund ums Bar- und Spirituosenthema ein wenig Zerstreuung und gleichzeitig Weiterbildung an die Hand geben. Versammelt sind Bände, die teilweise Ende des letzten Jahres erschienenen sind, aber auch einige brandneue Titel sind dabei. Ist für Sie vielleicht die passende Terrassen-Drink-Lektüre darunter?

Zu Hause tanzen: Markus Söder düpiert die Club-Szene

Unsere Skurrilität der Woche hat – wie schon letzten Sonntag – mit der bayerischen Landesregierung zu tun: Nach Hubert Aiwanger ist es diesmal Ministerpräsident Markus Söder persönlich, der mit einem, nun ja, Bonmot für Irritation gesorgt hat. Angesprochen darauf, dass Clubs und Discotheken mutmaßlich noch mit sehr lang andauernden Schließungen zu rechnen hätten, entgegnete Söder gegenüber Journalisten mit: „Aber Sie können ja zum Beispiel zu Hause mit Ihrer Partnerin tanzen.“

Die Club-Szene reagierte darauf verständlicherweise postwendend mit Entrüstung. Zurecht wie wir finden, scheint Söder offenbar weder den Sinn oder die Atmosphäre eines Clubs zu begreifen, noch nachempfinden zu können, vor welchem Scherbenhaufen die Discothekenbetreiber flächendeckend stehen. Einen kleinen Kommentar samt Verweis auf weitere Reaktionen zum Thema lieferte u.a. das DJ-Magazin Faze.

Credits

Foto: Everett Collection / shutterstock.com

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