Kräuter für den Herbst. Der Monk Sour.

News 12.11.2013

Wer wundert sich nicht manchmal über den seltsamen Beliebtheitsanstieg von Kräuterlikören unter Bartendern. Kaum ein Treffen von Kollegen ist machbar, ohne dass eine Flasche eines, meist französischen, Likörs geöffnet wird. Manche Bars oder ganze Städte haben sich mittlerweile einen Ruf erarbeitet, als inoffizielle Zentrale dieser Produkte.

Nun soll es heute aber ausnahmsweise nicht um den Schnaps der Karthäusermönche gehen, sondern um einen Cocktail, dessen wichtigste Zutat der Likör der Benediktinermönche ist, der Bénédictine DOM. Wichtige Zutat von Klassikern wie dem Singapore Sling oder dem Vieux Carré. Der französische Likör, eine Mischung aus 27 Kräutern die nach verschiedenen Destillations- und Lagerungsstufen erst nach zwei Jahren das fertige Produkt ergeben, wurde der Legende nach bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts vom Mönch und Alchemisten Dom Bernardo Vincelli erfunden. Ausgerechnet der Weinhändler Alexandre Le Grand fand dann 1863 ein altes Buch in seinen Besitztümern, in dem das ursprüngliche Rezept enthalten war.

Ein ungewöhnlicher Zufall, dass ausgerechnet seiner Familie diese Bücher vermacht wurden, als die Mönche nach der Französischen Revolution das Kloster in Fécamp verlassen mussten.

Praxistest bestanden

Aber diese außergewöhnlichen Umstände und zweifelhaften Zufälle sollen in diesem Moment zweitrangig sein. Fakt ist, dass Le Grand das Rezept entschlüsselte und damit begann den Likör zu produzieren, der heute in beinahe jeder Bar als Bestandteil berühmter Klassiker wie dem Singapore Sling oder einem Vieux Carré zu finden ist.

Aber nicht nur als Verfeinerung von Drinks eignet sich Bénédictine, auch als Basisspirituose lässt er sich einsetzen, wie das Beispiel Monk Sour beweist. In einem Video beschreibt der Global Ambassador der französischen Marken bei Bacardi, Ludovic Miazga, die Zubereitung des Sours in schönstem französisch-englisch.

Wir haben ein paar Bartender gebeten den Drink zu probieren und uns ihre Meinung mitzuteilen. Sebastian Lumpe aus der People’s Bar im Münchener Park Hilton zeigt sich begeistert: „Süße und Säure sind perfekt abgestimmt und der Honig balanciert den Drink gut aus. Die geriebene Muskatnuss verleiht zusätzliche Aromen und Tiefe.“ Für ihn eine „klare Empfehlung, nicht nur für die bevorstehende, kalte Jahreszeit“.

Gerhard Päch, Betreiber der „Vintage Bar“ in Nürnberg gefällt der Cocktail ebenso, mahnt aber zur Vorsicht bei der Dosierung des Honigs. „Hier sollte man wirklich aufpassen und einen nicht zu aromatischen Honig wählen, damit die Aromen des Likörs nicht untergehen.“ Für etwas mehr Frische würde Päch allerdings den Anteil an Zitrone leicht nach oben korrigieren und eventuell mit Tonkabohne, anstatt der geriebenen Muskatnuss experimentieren.

Einstieg verschlafen

Um den Bogen zum Anfang zurückzuschlagen, muss man sich aber dennoch fragen, wieso man sich bei Bénédictine derart zurückhält, was das Marketing und die Kommunikation betrifft. Hier sind andere Liköre den Benediktinern ein paar deutliche Schrittlängen voraus. Insgesamt muss man sich aber wohl um die Zukunft von Kräuterlikören nicht sorgen, so lang man solche Verwendungsmöglichkeiten findet.

 

Monk Sour

5 cl Bénédictine DOM

2,5 cl frischer Zitronensaft

2 BL Runny Honey

1 dash Orange Bitters

1 Eiweiss

 

Glas: Coupette

Garnitur: geriebene Muskatnuss

Zubereitung: Alle Zutaten in den Shaker geben und mit Eiswürfeln 10-15 Sekunden (10-15mal) kräftig schütteln. In das vorgekühlte Gästeglas abseihen.

 

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Bildquelle: Mönchssilhuette via shutterstock.com

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