Champs Elysees Cocktail

Oh, Champs Élysées! Ein Cocktail zum Flanieren

News 22.8.2018

Der Champs Élysées ist ein Hybrid aus Last Word und Sidecar. Als solcher ist der Cocktail vor allem auch eine Hommage an die Klassik. Nicht zuletzt, weil er von Harry Craddock aufgeschrieben wurde. Und natürlich: Wir wissen, dass es eigentlich Aux Champs Élysées heißt!

Manchmal sitze ich da und grüble über Drinks. Dann rufen sich mir all diese verkannten oder vergessenen Kreationen in den Kopf, die hierzulande selbst so mancher Bartender nicht zu kennen scheint.

Ob dieser vermuteten Extravaganz eines in der Rezeptur simplen, aber doch unbekannten Drinks, bestelle ich dann doch lieber einen gediegenen Manhattan. Man will schließlich nicht sonderbar rüberkommen.

Talkin‘ all that Jazz

Klassische Cocktails sind wie Jazz. Unangepasst und merkwürdig. Auf den ersten Blick. Ja, sie fungieren wie diese disharmonischen Stellen in Miles Davis‘ „So What“ oder auf „Earth Tones“ von Grover Washington Jr. Sie ecken an und bleiben dennoch in Erinnerung. Nicht, weil sie völlig zu Unrecht deplatziert erscheinen, sondern vor allem, weil sie für das Zeitlose und Beständige in einer Zeit voller Wandel stehen. Man greift auf sie zurück wie auf eine gute Platte von Ike Quebec. Aber auch eben auch nur, wenn man sie denn kennt.

Unternehmen wir daher praktisch einen Ausflug, ja ein kleines „Tête-à-tête“ mit unserem Date auf der französischen Prachtstraße schlechthin; schlendern wir also genussvoll und weltmännisch wie ein fachgerechter Connaisseur über die geschichtsträchtige Champs Élysées. Sie ist nämlich nicht nur, was der Kurfürstendamm für Berlin oder die Bond Street für London ist, nein, sie hat es auch in die Cocktailbücher dieser Welt geschafft.

Champs Élysées von Harry Craddock

Genauer gesagt vor allem in eines: in das 1930 erschienene The Savoy Cocktail Book von Harry Craddock. Dass dieses über die Jahre und im Zuge der Renaissance der Klassik von unschätzbarem Wert für die moderne Mixologie geworden ist, bedarf wohl keiner Erwähnung. Dass in ihm jedoch noch immer Rezepte schlummern, die nur den wenigsten Hobbytrinkern ein Begriff sein dürften, stellt sich ebenso schnell heraus.

Ist man böse, so bezeichnet man den Champs Élysées Cocktail, außer dessen Name nur recht wenig bekannt ist, als einfachen Hybrid zwischen Sidecar und Last Word oder straft ihn gleich mit dem Prädikat „Cognac Sour“ ab. Sicherlich, all das ist der Champs Élysées ja irgendwo, und doch wird ihm diese Stellung nicht gerecht.

Ein Cocktail zum Flanieren

Die Schwere des Cognacs wird angereichert um die herben Noten der – wahlweise – Chartreuse Vert oder Chartreuse Jaune, wobei der Drink reich an präsenten Zitrustönen ist, die mit Zuckersirup und Angostura abgerundet und um Würzigkeit ergänzt werden. Es ist ein Cocktail, der zum Experimentieren einlädt und gerade durch die Verwendung spezifischer Spirituosen noch ganz besondere Töne hervorheben kann und soll.

Nehmen wir also diesen Nachmittag und stellen uns einen Spaziergang auf der menschenleeren Champs Élysées vor und flüchten uns vor der uns einholenden Realität in selbigen Drink. Er ist es wert. Santé!

Champs Élysées

Harry Craddock, 1930

Rezept

4,5 cl Cognac
1,5 cl Chartreuse Vert oder Chartreuse Jaune (je nach Geschmack)
2,25 cl Zitronensaft
1,5 cl Zuckersirup (1:1)
1 Dash Angostura Bitters

Zubereitung

Alle Zutaten in einen Shaker füllen und ausreichend Eiswürfel hinzufügen. Anschließend für 15-20 Sekunden kräftig kalt schütteln. Danach doppelt in eine vorgekühlte Coupette abseihen.

Glas

Coupette

Garnitur

keine

Photo credit: Tim Klöcker

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