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Die Bar Nonno bringt legere Aperitifkultur nach Berlin-Schöneberg

Die Bar Nonno bringt legere Aperitifkultur nach Berlin-Schöneberg

Mit der Bar Nonno erweitert Dustin Franke sein wachsendes Bar-Imperium um eine legere Aperitif-Bar. Gemeinsam mit Luca Simon lässt er einen Hauch Italien im Bezirk Schöneberg einziehen, wo Aperitif-Drinks und Antipasti im Fokus stehen. Wir waren vor Ort.

Bestehende Orte übernehmen und ihnen einen modernen Anstrich zu verpassen, ist eine Spezialität von Dustin Franke. Er hat u.a. das im Bademeister in Weißensee gemacht, im Stück in Kreuzberg, sein letztes Projekt war ein jahrelang komatös ruhender Tortenladen am Neuköllner S-Bahnhof Sonnenallee. Wobei, stimmt nicht ganz. Der letzte ist der, in dem er in diesem Augenblick sitzt. Die Bar Nonno in Schöneberg. Er wollte eigentlich keine Bar mehr aufmachen, sagt er da und blickt sich um, wirklich nicht. „Aber dann habe ich diese Location gesehen …“

Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Allerdings eine, die erste geschrieben werden muss. Deren Basis ist ein großzügiger Raum in der Akazienstraße, 42 Jahre lang war hier eine Gastronomie namens Café Romantica, deren Schriftzug immer noch als Reminiszenz über dem Backboard zu sehen ist. Die Betreiberin wollte nach 42 Jahren nicht mehr weitermachen, die Hausbesitzer aber gerne weiter eine Gastronomie im Haus haben – und haben Dustin Franke den Zuschlag gegeben. Es mag mitgespielt haben, dass dieser als ruhiger, besonnener Mensch auftritt und zudem ein eindrucksvolles, in der Stadt verteiltes Portfolio aufzählen kann.

Das Geheimnis seines Erfolges: Er ist keiner, der seine Visionen in einen Raum hineinprügelt. Er schaut vielmehr, was die Gegend verlangt. Und er macht das auf eine schlaue Art – nämlich nie alleine. Seine Methode erinnert an den legendären Sasha Petraske, der mit ehemaligen Mitarbeitern als Partner neue Läden eröffnet hat. Der eine bringt die Erfahrung und das Kapital, die anderen die Ideen und die Manpower.

Die Bar Nonno besticht mit Bistroflair und Apertifkultur
Die Bar Nonno besticht mit Bistroflair und Apertifkultur

Bar Nonno

Akazienstraße 7a
10823 Berlin

Das Nonno aus der Hängematte

Im Falle des Nonno ist dieser Partner Luca Simon. Der Deutsch-Italiener, zuvor Barchef im Lamm im Prenzlauer Berg, ist nicht nur Partner, sondern der Kopf, dem das Nonno entsprungen ist. Er hat die Idee konzipiert und in einer Whatsapp-Nachricht an Dustin Franke geschickt, aus einer Hängematte im Asien-Sabbatical. Und er glüht vor Enthusiasmus, wenn er erzählt, wie das alles hier zustande gekommen ist; wie der Umbau von statten ging und was sie hier alles vorhaben.

Eine Sache ist: Das Image von Lambrusco ändern. Dafür sind sie durch Italien gezogen, durch die Emilia Romagna, wo ein Teil der Familie von Luca Simon lebt. Lambrusco zu revitalisieren, das klingt in etwa, als wolle man Pizza Hawaii in die Sternenküche hieven. Aber vielleicht liegt darin ja gerade die Chance. „Bei allen Flaschen, die für den Export oder selbst für andere Regionen in Italien bestimmt sind, wird auf das Wort Lambrusco mittlerweile verzichtet, so schlecht ist sein Ruf”, sagen die beiden. Nicht jedoch hier. Im Nonno kommt er als trockener Vertreter von Cantina die Carpi & Sorbara ins Glas.

Vom Vibe her eine Cocktailkneipe

Das verdeutlicht, dass die Bar Nonno keine Cocktailbar im eigentlichen Sinne ist. Eine kleine Sektion auf der Karte widmet sich einfachen (Neo)-Klassikern wie dem Negroni, Gin Basil Smash oder Espresso Martini, und man bekommt einen Manhattan, wenn man danach verlangt – dafür braut Franke in seiner Produktionsküche in Kreuzberg für seine diversen Bars viel zu viel zusammen, als dass es nicht abstrahlen würde – aber im Zentrum des Nonno steht das Leichtere, Sprudeligere. Eigene Sprizzes zu neun Euro sollen zum Aperitif animieren. „Wir haben den Anspruch einer High End-Cocktailbar, im Vibe sind wir aber eher wie eine Cocktailkneipe. Man kann auch für drei Euro ein Bier trinken, mit neun Euro pro Signature Drink bleiben wir günstig. Das ist auch dem Konzept geschuldet. Man ordert nachmittags keinen Drink für 13 Euro“, so Luca Simon.

Mutiges Unterfangen: Die Bar Nonno wagt die Wiederbelebung des Lambrusco
Mutiges Unterfangen: Die Bar Nonno wagt die Wiederbelebung des Lambrusco
Das bequeme Raumkonzept passt perfekt zum legeren Anspruch der Bar Nonno
Das bequeme Raumkonzept passt perfekt zum legeren Anspruch der Bar Nonno

Gnocco Fritto und Liebe zur Gastronomie

Dazu kann man wunderbar Gnocco Fritto essen, kleine, frittierte Teigtaschen aus der Emilia Romagna, die im Mittelpunkt der Küche stehen. Und auch wenn an dieser Stelle keine Italo-Klischees breitgetreten werden sollen, diese bereitet Luca selbst in der Küche zu. Nach altem Familienrezept. Deswegen heißt der Laden auch Nonno, das italienische Wort für Großvater. „Es steckt nach wie vor viel Handarbeit hier drin, die Gnocco Fritto mache ich selbst. Das will ich mir nicht nehmen lassen”, beschreibt er.

Es ist erfrischend, einem Menschen wie Luca Simon zuzuhören; jemanden, der von einem Konzept überzeugt ist und darin aufgeht; der sich keine Gedanken um Personalprobleme macht, da sie hier allein durch einen Zettelaushang genügend Leute gefunden hätten; und der, wie er sagt, immer selbständig in der Gastronomie sein wollte, seit dem Zeitpunkt, als er sein Studium bleiben hatte lassen und sich für die Branche entschieden hatte. „Viele sehen die Gastronomie als eine Art Side Hustle, aber ich nicht. Sobald ich drinnen war, war für mich klar: ‘Das ist die Branche, in der ich Karriere machen will. Eines Tages werde ich mit einem eigenen Laden selbstständig sein.'”

Was kommt, kommt. Das Nonno bleibt.

Den hat er jetzt also. Der Akazienkiez in Schöneberg nimmt das Konzept des Nonno auch bestens an, sagen die beiden, die Abende sind seit dem Soft Opening Ende letzten Jahres voller als gedacht. Der Frühling kann kommen. Das Ende der Fahnenstange ist hier also nicht erreicht. Nicht für Luca Simon, für den das Nonno ein erster Baustein ist. Und vermutlich nicht für Dustin Franke, der noch so häufig behaupten mag, dass er jetzt mal Pause braucht.

Denn irgendein Raum lockt ja immer. Wo auch immer der sein mag.

Credits

Foto: Bar Nonno

Comments (1)

  • Peter Schütte

    Macht Lust auf einen Besuch.
    Auf jeden Fall wünsche ich, Dir Luca, viel Spaß und Erfolg. Und Dir Dustin, weiterhin ein so gutes Gespür für gute Partnerschaften.

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