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Verkostungsrunde Februar 2024

Die Verkostungsrunde im Februar 2024 – zwischen Generationen und Grapefruit

Und schon ist er vorbei, der Februar. Und er hat uns ein abwechslungsreiches Programm geboten. Diesmal in den Gläsern unserer monatlichen Verkostungsrunde: Tequila G4, Fever Tee Pink Grapefruit, Ambiq Bitter, Amargéro und SŌTŌ Junmai Daigingo Sake.

 

Hinweis: Die Verkostung basiert ausschließlich auf redaktioneller Basis. Die Flaschen wurden MIXOLOGY für die Verkostung unentgeltlich zur Verfügung gestellt oder ungefragt zugesandt. Es erfolgt weder eine Einflussnahme auf die Bewertung, noch erfährt MIXOLOGY finanzielle Zuwendungen durch eine Veröffentlichung oder Verlinkung. Wenn Sie denken, Ihr Produkt solle an dieser Stelle ebenfalls Erwähnung finden, schreiben Sie uns.

Felipe Camarena destilliert in vierter Generation in der Familienbrennerei El Pandillo
Felipe Camarena destilliert in vierter Generation in der Familienbrennerei El Pandillo

Tequila G4 108proof

Felipe Camarena ist einer der klangvolleren Namen, wenn es um die Kunst und die Handarbeit bei Tequila geht. In vierter Generation (daher der Name des Produktes) destilliert er in der Familienbrennerei El Pandillo. Offene Fermentation, Steinofen und Kupferbrennblasen sind seit jeher in Betrieb, neben der klassischen Weber-Agave arbeitet Camarena mit einem Wassermix, der zur Hälfte aus Quellwasser und zur anderen Hälfte aus Regenwasser besteht, das in der Destillerie gesammelt wird. Die Produkte von G4 kamen in der Verkostung alle gut an, aber die Variante mit 54% Vol. war speziell. Erdig und sehr viel Agave. Im Auftakt sind Pfeffer und eine leicht zimtige Note dominant, bevor dann fruchtige Noten und ein Hauch Zitrus durchscheinen. Alles hinterlegt mit wuchtigen Volumenprozent, die sich auf der Zunge durchaus bemerkbar machen, aber nicht unangenehm scharf oder überbordend sind. Definitiv eine Flasche, die man auf die einsame Insel mitnehmen könnte. Kleiner Tipp unter uns Klosterschülern: Die Batanga ist grandios.

Flaschengröße: 700 ml
Alkoholgehalt: 54% Vol.
UVP: € 69,90
Vertrieb: Tequila Kontor

Fever-Tree Sparkling Pink Grapefruit

Im weiteren Sinne bleiben wir bei Tequila und schauen uns den Neuzugang im Fillermarkt für die Paloma einmal genauer an: Fever-Tree präsentiert eine eigene Grapefruitlimonade. Klassische Flaschenform natürlich, allerdings sieht das Etikett noch nach „hastig gedruckt“ aus. Aber vielleicht muss das auch so, und das Äußere spielt in diesem Fall auch keine wahnsinnig große Rolle.
Also zum Inhalt. Der schaut schon einmal sehr einladend aus. Leuchtendes Rosa macht Lust auf eine kleine Paloma in der Sonne. Angenehme, spritzige Kohlensäure und viel Frucht und ein sehr natürlicher Duft machen Lust auf mehr. Am Gaumen dann auch die volle Grapefruit, die sehr natürlich wirkt. Ein absoluter Pluspunkt, allerdings könnte die Limo ein wenig mehr Säure und Bitterkeit vertragen. Pur getrunken wirklich lecker, im Mix mit Tequila erscheint sie leider ein bisschen blass.
Flaschengröße 200 ml
Alkoholgehalt: 0% Vol.
UVP: ca. € 1,69
Vertrieb: GDP / Fever-Tree

Spritzige Kohlensäure, viel Frucht und ein natürlicher Duft zeichnen die neue Fever-Tree Pink Grapefruit aus
Spritzige Kohlensäure, viel Frucht und ein natürlicher Duft zeichnen die neue Fever-Tree Pink Grapefruit aus
Für den Ambiq Bitterlikör finden neben Cassis noch Enzian, Vanille, Orange, Chinin und Wermut ihren Weg in die Flasche
Für den Ambiq Bitterlikör finden neben Cassis noch Enzian, Vanille, Orange, Chinin und Wermut ihren Weg in die Flasche

Ambiq

Ein neuer Bitterlikör, der als Basis für einen Negroni funktionieren könnte? Dazu noch aus der eigenen Region und mit einem nachhaltigen Ansatz? Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Was genau der Ansatz für eine gerechtere und nachhaltigere Form der Wirtschaft ist, der bei der Abyme GbR verfolgt wird, würde den Rahmen dieser Verkostung sprengen, lässt sich aber auf ihrer Website nachlesen. An dieser Stelle wollen wir der Frage nachgehen, ob der Inhalt der Flasche überzeugt. Farblich deutlich dunkler als der große Cousin aus Italien. Beeriges, dunkles Rot, wohl vom Cassis herrührend. Insgesamt finden neben Cassis noch Enzian, Vanille, Orange, Chinin und Wermut ihren Weg in die Flasche und ergeben einen Duft, der im ersten Moment recht süß und ungewohnt fruchtig wirkt, wenn man an den klassischen Bitterlikör denkt. Im zweiten Moment kommt aber schon der Enzian durch und macht Lust auf den ersten Schluck. Sehr schön ausbalanciert und mit deutlicher, tiefer Bitternote, die einen großartigen Kontrast zum ersten, eher fruchtigen Eindruck bringt. Die Vanille ist nicht dominant, sondern gekonnt eingesetzt und rundet das Geschmacksprofil wunderbar ab. Im Negroni eine Spur süßer als man es gewohnt ist, aber funktioniert, wenn man mit den Verhältnissen ein wenig spielt.

Flaschengröße: 1000 ml
Alkoholgehalt 15% Vol.
UVP: ca. € 25,-
Vertrieb: Abyme

Amargéro

Und weiter geht die Reise in eine bessere Welt. Auf der Insel Mallorca findet sich im Landesinneren eine kleine Farm, auf der Biolandwirtschaft als Familienbetrieb praktiziert wird: Can Cavall blau der Name. Pferdezucht, Mandeln und Oliven stehen im Fokus, aber auch Gemüse und Obstsorten werden kultiviert. Unter anderem Bitterorangen, deren Früchte wir in modifizierter Form vor uns in der Flasche haben: Amargéro ist ein Aperitiflikör aus Bitterorangen. Die Früchte, die auf Can Cavall blau wachsen, werden in einer mallorquinischen Brennerei, die seit über 120 Jahren in Familienbesitz ist, verarbeitet und zu dem gemacht, was in der Flasche schimmert. Eine goldbraune, leicht trübe Flüssigkeit, was daran liegt, dass man auf Filtration genauso verzichtet wie auf die Zugabe von Farb- und Konservierungsstoffen. Aus dem Glas steigt ein leichter, aber deutlicher Duft frischer Orangen, der sich auf der Zunge fortsetzt. Angenehm süß, klare Bitterorange, keine Spielchen links und rechts. Man könnte damit sicher die Spritz-Saison einläuten oder es sich mit einem Amargéro Soda auf der Terrasse gemütlich machen und sich in Gedanken in den Süden und in die Wärme verabschieden.

Flaschengröße 700 ml
Alkoholgehalt: 16% Vol.
UVP: € 23,-
Vertrieb: Can Cavall blau

Amargéro wird im Landesinneren auf Mallorca hergestellt
Amargéro wird im Landesinneren auf Mallorca hergestellt
SŌTŌ Junmai Daigingo ist ein Sake der höchsten Qualitätsstufe – das schmeckt man auch
SŌTŌ Junmai Daigingo ist ein Sake der höchsten Qualitätsstufe – das schmeckt man auch

SŌTŌ Junmai Daigingo Sake

Japanische Handwerkskunst in Flaschen gefüllt: Sake ist noch immer ein großer Exot auf dem hiesigen Spirituosenmarkt und auch für viele Bartender ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei ist die Aromatik wundervoll komplex und es steckt eine Menge Geschichte dahinter, also eigentlich alles, was einem an der Arbeit hinter der Bar Spaß macht. Jacobi Spirits hat eine Spezialität auf den deutschen Markt gebracht. SŌTŌ ist ein Junmai Daigingo Sake, also die höchste Qualitätsstufe, die man beim Sake kennt. Leicht silbrig schimmernd, aber doch komplett klar liegt der Sake im Glas. Der Duft ist mild, aber sehr deutlich. Im Mund nahezu cremig und sehr intensiv. Flüchtige, erdige Noten. Sehr lange präsent und mit einem Abgang, der immer frischer wird. Zitrusnoten, Apfel und Birne wechseln sich ab und ergeben ein äußerst stimmiges Gesamtbild.

Flaschengröße: 300 ml
Alkoholgehalt: 15,5% Vol. 
UVP: ca. € 24,99
Vertrieb: Jacobi Spirits

Credits

Foto: Marco Beier

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