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Allgemeines Bild für eine News-Rundschau

Inventur am 21. August 2022 – Japan wünscht sich mehr Alkoholkonsum

Allmählich darf man es schon fast sagen: It’s that time of the year again. Also zumindest für uns in der Redaktion stehen die Zeichen bereits arg auf den beiden jährlichen Eckpfeilern namens MIXOLOGY Bar Awards und Bar Convent Berlin. Die Awards gehen in ihre heiße Phase, denn nur noch eine Woche dauert es, bis wir auf MIXOLOGY Online die Short List veröffentlichen, also die jeweils Top-5-Nominierten aller Kategorien.

Wenige Tage später schalten wir zudem den Ticketshop für die große Verleihungs-Gala der Awards live. Wer am Abend des 9. Oktober gern im Berliner Grand Hyatt dabei sein möchte, wenn sich das Who’s Who der hiesigen Szene trifft und einige der besten Bars und Barleute für ihre Arbeit prämiert werden, der sollte in den kommenden Tagen aufmerksam unsere Social-Media-Kanäle verfolgen und dann schnell sein: Traditionell sind die MIXOLOGY Bar Awards rasch ausverkauft. Um die Wartezeit bis dahin zu verkürzen, widmen wir uns wie immer am Sonntag den News der ausklingenden Woche.

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Japan will junge Menschen zu mehr Alkoholkonsum animieren

Nein, Sie haben die Überschrift über diesem Absatz nicht missverstanden und wir haben uns auch nicht vertippt: Wie die BBC diese Woche berichtete, haben die japanischen Finanzbehörden eine Kampagne gestartet, die darin münden soll, dass die jüngeren Bewohner des Inselstaates wieder mehr Alkohol trinken. Ein ziemliches Kuriosum, während doch die Debatte rund um einen bewussteren Alkoholkonsum in allen Industrienationen seit Jahren präsent ist.

Doch genau das scheint Teil des japanischen Problems zu sein: Die jüngeren Erwachsenen trinken deutlich weniger als frühere Generationen. Zudem konsumieren die japanischen Senior:innen (rund ein Drittel der Bevölkerung ist 65 oder älter) schlicht aus physiologischen Gründen weniger Alkohol. Dem Staat entgehen dadurch Milliarden an Steuereinnahmen und das Wirtschaftswachstum schwächelt. Dieser Schrumpfung soll die großangelegte Kampagne nun entgegenwirken. Ob das klappt? Und ob das der richtige Weg ist?

Frisst die Revolution ihre Kinder? RTD-Cocktails in den USA auf dem Vormarsch

Schon mehrfach haben wir an dieser Stelle über das ungeheure Wachstum der sogenannten RTDs (Ready to Drink) in den USA berichtet. Wenig verwunderlich, ist doch der Convenience-Gedanke in keinem Land so präsent wie in den Vereinigten Staaten. Bislang wurde der Markt an trinkfertigen Drinks geprägt durch einfache Longdrinks sowie die explodierende Hard-Seltzer-Kategorie. Bereits 11% des gesamten US-Alkoholmarkts wurde 2021 durch RTDs belegt.

Nun kommt eine weitere Komponente hinzu: Im Zuge der immer größeren Präsenz hochwertiger Cocktailkultur weist inzwischen auch das Segment von Cocktail-RTDs rasanten Zuwachs auf. Das ermittelt das bekannte Marktforschungs-Institut IWSR in einer neuen Untersuchung. Dabei gehe es zudem um eine Premiumisierung, die Verbraucher sind also bereit, für Dosen-Cocktails tendenziell höhere Preise zu bezahlen. Die Autor:innen der Studie führen das unter anderem darauf zurück, dass die Konsument:innen inzwischen mit hochpreisigen Drinks aus guten Bars vertraut sind und daher auch mehr für Fertigmischungen zahlen. Doch ob ein noch so guter Fertigcocktail zuhause die Atmosphäre einer Bar ersetzen kann? Wir haben da unsere Zweifel.

Der „Caffè al banco“. Mehr als nur ein Klischee

Fast jeder hat schon davon gehört und viele Italien-Urlauber werden es selbst ausprobiert haben: Einen „richtigen“ italienischen Espresso trinkt man nicht am Tisch, sondern im Stehen. An der Bar. Genauer gesagt, man ordert keinen „Espresso“, sondern schlicht einen Caffè, und zwar al banco – also „am Tresen“. Das sei, so heißt es dann oft, zudem günstiger, denn tatsächlich kostet ein Kaffee am Tresen in Italien meist weniger als per Tischservice.

Doch wer dabei nur an die Ersparnis und einen angeblichen Ticken klischeehaften Touristen-Lebensgefühls denkt, der denkt zu kurz, wie Anna Vollmer in ihrer kleinen Liebeserklärung an den Caffè al banco diese Woche in der FAZ klarstellt. Denn das gemeinsame Kaffeetrinken mit Fremden und Freunden an der Bar ist integraler Bestandteil des italienischen Soziallebens, nicht einfach nur beeindruckend rasche Koffeinzufuhr. Vor allem aber: Vollmer gelingt es auch, in ihrem Text das generelle italienische Kulturphänomen „Bar“ zu schildern, das nach wie vor seine ganz eigene und spezielle Bedeutung hat. Und das Herz dieser Bar ist und bleibt eben der Caffè. Natürlich immer und ausschließlich direkt an der Bar.

Ein Kuriositäten-Kabinett: Zehn der teuersten Getränke der Welt

Wir geben es immer wieder zu: Wir haben ein Faible für Listen, besonders für jene mit schrillem Inhalt. Eine schöne solche Aufstellung hat diese Woche der Branchendienst The Drinks Business veröffentlicht. Darin geht es um ein Thema, das stets die eine oder andere Absurdidät bereithält – nämlich besonders teure Getränke.

Schön an der Liste ist vor allem die Vielseitigkeit. Da findet sich natürlich einerseits Klassisches wie zwei Flaschen Romanée-Conti 1945er oder der 6-Liter-Dekanter des Luxus-Cognacs Louis XIII zu 80.000 Pfund. Flankiert werden die dann aber auch von verstaubten Rumflaschen aus dem 18. Jahrhundert, einem Vodka zu völlig irrsinnigen 24.500 Pfund sowie von jenem NFT-Champagner, den wir vor einigen Wochen an dieser Stelle erwähnt haben. Ach ja: Es gäbe auch noch eine Flasche Bier für rund 123 Euro. Durstig?

Credits

Foto: everettovrk - stock.adobe.com

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