Der Clover Club Cocktail. Pink Drinks for Gentlemen.

Klassik 12.3.2013 3 comments

Kaum ein Bartender, der beim Servieren eines Cocktails in einer Schale oder einem Cocktailglas noch nicht den Satz gehört hat, ob denn dieser Drink nicht vielleicht ein wenig feminin sei, oder gar nach dem Austausch des Glases verlangte, von der Angst gegriffen ihm könnten, vor seinen Mittrinkern, die Testikel aus der Hose fallen.

Manchmal hilft der Hinweis, dass es oft die etwas stärkeren Drinks sind, die „straight-up“ serviert werden. So manch anderer kann nur mit dem soliden Tumbler und Eiswürfeln geholfen werden.

Ein Cocktail der diese Reaktion bei Gästen die ihn zum ersten Mal bestellen oft auslöst ist der „Clover Club Cocktail“. Ein Klassiker des frühen 20. Jahrhunderts, Lieblingsdrink vieler, die sich schon vor der Prohibition wie Gentleman benehmen konnten.

Den verunsicherten männlichen Gast bei diesem Drink, der in leuchtendem Pink mit Schaumkrone in einer Schale in Erscheinung tritt, mit seinem Selbstbewusstsein zu helfen ist allerdings kein Problem. Schließlich ist der Club der Industriellen, die sich 1882 in Philadelphia zusammentaten und nach denen dieser Drink benannt ist, eine reine Männersache.

Die ewige Frage um das Ei

Während der Prohibition geriet dieser Drink immer mehr in Vergessenheit und hatte es danach schwer sich wieder einen Namen zu machen. Eiweiss war lange Zeit ein schwieriges Thema, und auch heute noch schrecken viele zurück, wenn sie diese Zutat sehen. Einige Bars lehnen es sogar partout ab mit Eiweiss zu arbeiten, dabei ist es kein Problem, wenn man frische Eier verwendet und die Hygieneregeln beachtet.

Optisch und geschmacklich hebt ein Eiweiss jedenfalls jede Sour-Variante, und dazu zählen wir den Clover Club Cocktail, eine Stufe nach oben.

Das Trockeneiweiß in diesen Fällen jedoch meist keine Lösung ist haben wir vor nicht ganz einem Jahr bereits geklärt. Die frische Zutat ist in jedem Fall vorzuziehen.

Unser Weg zu selbst gemachten Zutaten

Und wenn wir schon bei frischen Dingen sind, wollen wir auch gleich auf eine Neuerung in unserem Forum hinweisen.

Es ist keine Seltenheit, dass Bartender in ihren Drinks selbst gemachte Zutaten verwenden. Einerseits, weil sie mit der im Handel erhältlichen Qualität nicht zufrieden sind oder weil es die hergestellten Zutaten anders schlicht und ergreifend nicht gibt. Neugier und die Herausforderung spielen natürlich auch eine Rolle. In unserem Forum wollen wir immer wieder Rezepte an die Hand geben, mit denen sich Zutaten selbst herstellen lassen. Vom einfachen Sirup bis zur komplexen Infusion wird der Pfad „Hausgemachte Cocktail-Zutaten“ immer wieder erweitert und mit aktuellen Rezepten verlinkt.

Den Auftakt macht heute der Himbeersirup, den wir im Clover Club Cocktail verwenden. Verschieden Quellen geben als Zutat entweder Grenadine oder Himbeersirup an. Wir wollen Himbeersirup verwenden, und den machen wir selbst.

 

Clover Club Cocktail (adaptiert nach einem Rezept aus „Old Waldorf Astoria Bar Book“, A.S. Crockett, 1935)

6 cl Gin

3 cl frischer Zitronensaft

2 cl Himbeersirup

1/2 Eiweiss

Glas: Coupette/Cocktailschale

Garnitur: Himbeere

Zubereitung: Alle Zutaten in einen Shaker geben und ohne Eis „dry shaken“. Shaker mit Eiswürfeln befüllen und noch einmal kräftig schütteln. In das vorgekühlte Gästeglas abseihen.
Präsentiert von Cocktailian:

Cocktailian, das umfassende Handbuch der Bar für Profis, Einsteiger und Connaisseure entschlüsselt anhand von 13 Key Cocktails die Cocktail-DNA. Dieser erste Band der Cocktail-Enzyklopädie vermittelt auf 528 Seiten alles Wissenswerte rund um die Welt der Cocktails, von den wichtigsten klassischen Rezepturen bis zu den modernsten Arbeitstechniken.

Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

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3 comments

  1. marie

    Einer meiner Lieblinge!! Der clover Club ist sowohl ein Drink für Frauen als auch für Männer…

    Gerne auch mit frischen Himbeeren (gemuddelt) und Läuterzucker:-)) Jummmiiii

  2. Jean-Pierre Ebert

    Unbewertet möchte ich die Erwähnung stehen lassen, dass ein Eiweiß jede Sour-Variante optisch und geschmacklich aufwertet. Ich bezweifle es, über Geschmack läßt sich jedoch trefflich streiten.

    Derjenige, der ein feines Näschen hat und einen Whiskey Sour mit Eiweiß kredenzt bekommt, dem dürfte die olfaktorische Nähe zu „nassem Hund“ nicht entgangen sein. Aber auch hier läßt sich trefflich streiten, ob das eine Aufwertung ist.

  3. Martin Kramer

    Lieber Jean- Pierre
    Aber dafür gibt es doch Zesten, um eben den muffigen Geruch des Eiweißdrinks in frische Zitrusnoten umzuwandeln.

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