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Der Algonquin Cocktail: Die überraschende Symbiose von Rye und Ananas

Sagen wir wie’s ist: Auf dem Papier wirkt der Algonquin Cocktail einigermaßen einfallslos. Auf dem Gaumen ist er jedoch ein wahres Erlebnis. Warum die Mischung aus Rye, Wermut und Ananas so teuflisch gut ist und was das Algonquin-Hotel damit zu tun hat. Oder auch nicht.

 Sprechen wir doch mal über Hotels. Oftmals durch herausragenden Servicegedanken oder einzigartiges Konzept in aller Munde, sich nicht selten Hotelbars das völlig unterschätzte Aushängeschild eines solchen Etablissements. Denn im Gegensatz zum dem Gast vorbehaltenen Gesamterlebnis, öffnen sie ihre Pforten auch für den interessierten Stadtwandler, der nur kurz auf einen Drink bleiben möchte. Oftmals bleibt er jedoch länger und schließt aus der Bewirtung, den Drinks, ja der Atmosphäre des Ambientes auf das ganze Hotel, beginnt sich mit ihm zu identifizieren, empfiehlt es an Freunde, Geschäftspartner, Familie oder gönnt sich dort selbst einmal die Auszeit vom Alltag. Ein erheblicher, nicht zu unterschätzender Einfluss also, den die Hotelbar ausüben kann.

Früher, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, war das nicht anders. Es war sogar noch deutlich extremer. Zu diesem Zeitpunkt, einige der Luxus-Hotel-Ketten wie das Waldorf Astoria oder das Ritz-Carlton gab es bereits, wurde eben diesen großen Häusern eine breite Aufmerksamkeit zuteil. „To put on the ritz“, die englische Redewendung für „sich schick machen“ oder „auf den Putz hauen“, ist etwa nicht alleine angelehnt an das Auftreten der schwerreichen Gäste in den teuren Hotels dieser Zeit, sondern nimmt explizit Bezug auf eben jenen hohen Standard der Ritz-Carlton-Kette in den frühen 1930-er Jahren.

Der Algonquin-Cocktail: Verblasstes aus der Vergangenheit

Ein eben solches Hotel – vielleicht nicht ganz von dem Format – war auch das Algonquin-Hotel in New York City. Benannt nach einem nordamerikanischen Indianer-Stamm, setzte es sich einst aus einem Konglomerat hoteleigener Service-Institutionen wie Barbier, Aufnahmestudio, Appartements oder dutzenden Restaurants zusammen. Der Gast sollte bleiben.

Und wann bleibt er am ehesten? Wenn er mit einem Drink geködert wird. Es ist nicht vieles bekannt über den Algonquin Cocktail. So rätselt man noch heute, wann genau er entstanden ist und von wem er kreiert wurde. Auch ob er überhaupt in diesem Hotel ein Signature war oder er einfach nur als liebevolle Hommage an jene Zeit der Post-Prohibition erdacht wurde, bleibt ein ewiges Mysterium.

Dreifaltigkeit im Drink: Rye, Ananas, Wermut

Der Algonquin Cocktail reiht sich in die lange Liste der mit „trockenem Wermut“ veredelten Drinks und steht damit neben einem Martini, Manhattan, Rob Roy oder auch Negroni. Nur ist er nie wirklich bekannt geworden und kann daher zu den verblassten Schönheiten des Barbuches gezählt werden.

Trockener, weißer Wermut, der einerseits eine herb-sanfte, aber gleichzeitig auch hocharomatische Seite aufweist, zusammen mit einem zur damaligen Zeit recht untypischen Rye Whiskey, der die nötige Kraft als Basisspirituose mitbringt. Das alleine wäre noch keine Kunststück, zugegeben.

Doch kann der Algonquin Cocktail mehr. Er ist meines Wissens nach der erste niedergeschriebene Drink, der Rye – oder generell Whiskey – mit Ananas vereint und somit eigentlich als Vorreiter der damaligen Zeit gewidmet werden muss. Er bricht aus und verlässt bekannte Sphären des „Spirits-only“-Kosmos, und das schlägt sich auch im Geschmack nieder. Die fruchtig-herbe Note der Ananas entkräftet den Rye und sorgt für ein angenehm süßliches Finish.

Algonquin Cocktail: Rye und Ananas mal anders

Es gibt viele Drinks, die in einem Hotel entstanden sind. Der Singapore Sling zählt dazu, der Sidecar erblickte sogar im Pariser Ritz das Licht der Welt; der Rob Roy im Waldorf Astoria, die Bloody Mary im St. Regis. Der Algonquin Cocktail vielleicht im gleichnamigen Hotel, vielleicht auch nicht. Ein teuflisch guter Drink ist er allemal!

Algonquin Cocktail

Zutaten

4,5 cl Rye Whiskey

2 cl trockener Wermut

2 cl frischer Ananassaft

Zubereitung

Alle Zutaten in einen mit Eis gefüllten Shaker geben und gut kaltshaken. Anschließend doppelt in eine Coupette abseihen und ohne Garnitur servieren.

Glas

Coupette

Garnitur

keine

Credits

Foto: Foto via Tim Klöcker.

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