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Die Enzyklopädie alkoholischer Heißgetränke, Teil 8: Hot Buttered Rum, Hot Whiskey & Co.

Für David A. Embury war der „Butterklumpen die letzte Beleidigung.“ Dennoch ist die Kategorie der Hot-Buttered-Getränke vermutlich die nach wie vor am häufigsten angewendete, wenn es um heiße Cocktails geht. Wie wir im nächsten Teil zeigen, ist ein Hot Buttered Rum ein Toddy, der mit Butter verfeinert wird.

Ab 1900 taucht in den Rezeptbüchern immer wieder der Hot Buttered Rum auf. Durch die Zugabe von Butter kann er durchaus als etwas Eigenständiges gelten. Wie eine Analyse der Rezepte zeigt, ist er überwiegend eine Mischung aus Rum, heißem Wasser, Zucker, Gewürzen und Butter. Zumeist wird Muskatnuss verwendet.

Diese Standardrezeptur ist das, was ich als klassischen, gewürzten Hot Buttered Rum bezeichne. Manchmal wird das Gewürz weggelassen, dann ist es ein einfacher Hot Buttered Rum. Manchmal wird statt Wasser auch Cider oder Milch oder ein Süßungsmittel verwendet, und wird so zu einem modernen Hot Buttered Rum.

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Ein verfeinerter Toddy

Wer die Serie bisher gelesen hat, wird unschwer erkennen, dass ein Hot Buttered Rum nichts anderes ist als ein heißer Toddy, der mit etwas Butter verfeinert wird. So trank man dieses Mischgetränk auch schon vor 1900, und bereits ein Kochbuch des Jahres 1810 nennt es folgerichtig Buttered Toddy. Doch gibt man hier auch etwas Zitronensaft hinzu – wodurch es kein Toddy mehr ist, sondern ein Punch. Wie auch der Toddy scheint der Buttered Toddy seinen Ursprung in der Seefahrt zu haben, denn das Kochbuch erklärt, dieses Getränk sei bei Seeleuten, „naval gentlemen“, sehr beliebt.

Ob man die Zugabe von Butter geschmackvoll findet oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich meinerseits kann gut darauf verzichten, aber das mag auch daran liegen, dass ich das falsche Rezept probiert habe. David A. Embury war hier radikaler. Heißen Mischgetränken steht er skeptisch gegenüber – ein Standpunkt, den ich nicht teilen kann – und nennt als ihren einzigen Nutzen einen medizinischen, um das Schwitzen und Einschlafen zu fördern. Er meint: „Mit ein oder zwei Ausnahmen, wie z.B. dem Tom und Jerry, sollte ihre Anwendung meiner Meinung nach jedoch strikt auf medizinische Zwecke beschränkt bleiben. Wie jemand sie zum Vergnügen konsumieren kann, ist mir völlig unbegreiflich. Und von all den heißen alkoholischen Getränken halte ich Buttered Rum für das schlimmste. Der Hot Spiced Rum ohne Butter ist schlimm genug, aber der Butterklumpen ist die letzte Beleidigung. Er vermischt sich mit dem heißen Rum genauso zufriedenstellend wie warmes Olivenöl mit Champagner!“

Embury hat recht damit, dass die geschmolzene Butter einfach nur auf dem Heißgetränk herumschwimmt – so etwas muss man wirklich mögen. Apropos – gibt es eigentlich schon einen Champagnerdrink mit Olivenöl?

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Hot Buttered Rum, oder der Buttered Toddy, auch wenn er erst nach 1900 in den Rezeptbüchern erscheint, eine weit zurückgreifende Tradition aufgreift. Bereits im 16. Jahrhundert gab man in England zu seinen Getränken Butter hinzu. Beispielhaft sei „Buttered Beere“ genannt. Bereitet man es richtig zu, muss es etwas Köstliches sein, und auch der bekannte englische Drei-Sterne-Koch Heston Blumenthal servierte es schon. Buttered Beere ist ein Heißgetränk aus Ale, Zucker, Gewürzen, Eigelb und Butter. Das zugegebene Eigelb wirkt als Emulgator und bewirkt, dass die Butter im Getränk eingebunden wird, und nicht einfach nur auf der Oberfläche schwimmt.

Hot Spiced Rum und Hot Spiced Whiskey

David A. Embury sprach vom Hot Spiced Rum. Was ist dieser, und was ist ein Hot Spiced Whiskey?
Letzerer kommt zwar in den Büchern vor, doch er führt ein Schattendasein. Zwischen 1900 und 1919 habe ich nur neun Publikationen dazu gefunden. Einmal ist er ein klassischer gewürzter Toddy mit Rum, ansonsten keiner Kategorie zuzuordnen.

Beim Hot Spiced Rum sieht es hingegen schon besser aus, denn er wurde regelmäßig genannt. Betrachtet man beide Varianten, Hot Spiced Rum und Hot Spiced Whiskey, gemeinsam, so zeigt sich jedoch, dass sie keine eigene Kategorie bilden. Zumeist entspricht die Rezeptur einem Hot Buttered Rum, ansonsten einem Toddy oder einem Punch oder ist keiner Kategorie zuzuordnen.

Hot Rum und Hot Whiskey

Nicht viel besser sieht es bei Mischgetränken aus, die Hot Rum oder Hot Whiskey genannt werden. Die Rezepturen, die so genannt werden, entsprechen in ihrer Formel einem Hot Buttered Rum, einem Skin, einem Toddy, einem Punch, einem Grog, oder sind irgendetwas anderes. Man sieht, dass die Bezeichnung „Hot“ nichts Spezifisches ist, sondern als Sammelbecken für alles Mögliche verwendet wurde.

Diese Beliebigkeit zeigt sich auch darin, dass sich ansonsten für die in diesem Artikel erwähnten Heißgetränke historisch gesehen nichts von großem Interesse erzählen ließe. Dennoch ist es natürlich wichtig, zu verstehen, wie sie einzuordnen sind, weshalb sie dann eben doch einen eigenen Beitrag erhalten haben.

Die Enzyklopädie alkoholischer Heißgetränke

Teil 1: Einleitung

Teil 2: Der Punch

Teil 3: Der Toddy

Teil 4: Der Grog

Teil 5: Der Skin

Teil 6: Der Negus

Teil 7: Der Sangaree

Credits

Foto: Editienne

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